Reisen in Marokko
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Erfahrung & Kompetenz 

 

Touristen in Marokko - Zwischen Tradition und Gastfreundschaft?

Gerne teile ich, Doris (30) hier meine Erfahrungen als Touristin in Marokko, welche ich während meinen Reisen in dieses unvergleichliche Land gesammelt habe. Dies sind persönliche Erfahrungen und Einschätzungen und müssen nicht allgemein/für Alle gelten. 

Mit dem Mietauto unterwegs

Es gibt immer mehr Touristen, welche das Land individuell mit dem eigenen Auto oder Camper (vor allem aus Frankreich) oder mit einem Mietauto bereisen. Dies ist generell auch gut möglich, man muss sich vorher aber ein paar Gedanken machen. In Marokko wird rechts gefahren.

Fahren in Städten: In den Städten ist der Verkehr chaotisch. Verkehrsregeln und Einspurstrecken werden oft nicht beachtet. Wer zögert, bekommt sofort die Hupe des nachfolgenden Fahrzeuges zu hören. Motos sind überall und überholen von allen Seiten. Hier sind  starke Nerven gefragt. Ein guter Tipp ist sicher, das Mietauto am Flughafen zu übernehmen und gar nicht in grosse Städte wie Marrakesch oder Casablanca reinzufahren. Die Altstadt von Marrakesch ist definitiv die "Königsdisziplin" für jeden Autofahrer. Wer hier nicht die Nerven verliert, ist für alles gerüstet.

Fahren Überland: Ausserhalb der Städte gibt's meist nur wenig Verkehr und die Strassen sind übersichtlich, wenn auch zum Teil mit einigen Schlaglöchern versehen. Vorsicht bei der Routenplanung: Manche Strassen auf Googlemaps oder ähnlich sind nur für 4x4-Fahrzeuge geeignet, da nicht befestigt! Passstrassen über den Atlas und Anti-Atlas können sehr anspruchsvoll sein.

Rallye/4x4-Pisten: Wer mit dem eigenen oder einem gemieteten Überlandfahrzeug unterwegs ist, sollte die Strecken gut planen und beim Unterkunftsort oder unterwegs in Dörfern Informationen über die bevorstehende Strecke einholen. Pisten können durch die zahlreichen grossen Rallyes in Mitleidenschaft gezogen worden sein, oder durch Regen gar nicht befahrbar sein. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich, ein Assistenzfahrzeug mit erfahrenen Guides anzuheuern.

Ein Navigationsgerät ist Pflicht, vorher am Besten die Koordinaten der Unterkünfte speichern.


Alleinreisende Frauen

Ein Thema, was immer wieder zu Diskussionen führt ist, ob es sicher ist für Frauen alleine in islamischen Ländern zu reisen.

Marokko ist ein für islamische Verhältnisse offenes Land und ein Grossteil der Bevölkerung hat mit Touristen zu tun.

Viele Frauen studieren mittlerweile (v.A. in den Städten) und führen ein selbstbestimmtes Leben, nicht alle tragen Kopftuch. Marokko hat das wohl liberalste Familiengesetz der arabischen Ländern, in dem Mann und Frau gleichgestellt sind. 

Gleichwohl gibt es natürlich Unterschiede zu Europa. Frauen mit zu freizügigen Kleidern (Minijupes, Hotpants, bauchfreie T-Shirts) werden von vielen Männern als Provokation angesehen und Frau wird als billig abgestempelt, egal ob sie nun alleine oder mit männlicher Begleitung unterwegs ist. Abgesehen davon sind Touristinnen in der Kleiderwahl nicht wirklich eingeschränkt. Im Zweifelsfall eine Leggins unter den Rock anziehen oder ein Schal um die Schultern legen - und gut ist.

Falls eine Frau ganz alleine unterwegs ist, empfiehlt es sich eine geführte Tour zu machen. Wer bei einem seriösen Touranbieter bucht, sollte auch keine Probleme mit Anmachen o.ä. durch den Reiseleiter haben. Weibliche Reiseleiterinnen sind selten, höchstens für Stadtführungen zu finden. 

Sobald 2 oder mehrere Frauen zusammen reisen, ist durchaus auch ein individuelles Reisen per Zug/Bus oder mit dem eigenen Mietauto möglich. In den grossen Touristenzentren wie Marrakesch und Essaouira können sich Frauen uneingeschränkt bewegen, einkaufen etc. Das einzige was es vielleicht braucht ist etwas Durchsetzungsvermögen, und Nein sagen zu können.


Sextourismus? Heiratsschwindler?

Wie in wohl jedem ärmeren Land sind diese beiden Arten von Sextourismus auch in Marokko ein Thema.

Gemäss Erfahrungen von marokkanischen Männer und auch aus eigenen Beobachtungen gibt es viele Frauen, welche alleine oder mit  Freundinnen nach Marokko reisen und gezielt amouröse Abenteuer suchen. Natürlich gibt es viele junge Männer, die dem nicht abgeneigt sind und auch gerne ein bisschen Spass haben. Bisweilen herrscht aber unter diesen Frauen die Meinung vor, weit weg von der Meinung "jeden haben zu können". 

Gleichzeitig gibt es natürlich auch die Männer, die es verstehen, den Frauen mit vielen Komplimenten den Kopf zu verdrehen und es vielleicht nicht wirklich ernst meinen. Manch eine wird schon mit einem gebrochenen Herzen von den Ferien zurück gekommen sein, wenn der Ferienflirt dann in der nächsten Woche schon die nächste Touristin anlacht. Geschichten von Heiratsschwindlern aus Nordafrika, welche vor allem nach Europa kommen wollen oder es nur auf das Geld der Frauen abgesehen haben gibt es natürlich auch.

Frauen, welche weder auf das einte noch das andere Lust haben und "nur" Reisen und das Land entdecken wollen, sollten sich davon nicht abhalten lassen. Zweideutige Blicke dürfen ruhig ignoriert und Angebote zum "gemeinsam Tee kochen" oder "Sternschnuppen anschauen" problemlos ausgeschlagen werden. Wer nicht interessiert ist, sollte nicht zu viel Zeit in Smalltalk interessieren, da sonst beim männlichen Gegenüber schon schnell mal die Idee entstehen kann, dass die Frau an einem Abenteuer interessiert ist und absichtlich flirtet. In Marokko gibt es wenig platonische Freundschaften zwischen Männern und Frauen, welche nicht verwandt sind.



Feilschen auf dem Souk

Manche lieben es - andere hassen es: das traditionelle feilschen um gute Preise auf den orientalischen Märkten.

Generell gilt auch in Marokko: Auf Souvenirmärkten und in Souks sollte gefeilscht werden. Das Ziel dabei ist, dass schlussendlich Käufer und Verkäufer mit dem Deal zufrieden sind. Es gibt nur wenige Läden mit fix angeschriebenen Preisen. Sobald der Preis angeschrieben ist, ist dieser meist auch nicht mehr verhandelbar.

Die Verkäufer in den grossen Souks, zum Beispiel in Marrakesch und Essaouira, sind weniger aufdringlich als anderswo. Der Strom an Touristen und auch Einheimischen ist ungebrochen, die Leute kommen von selber. Nach einem "ich will zuerst mal schauen" wird man (und auch Frau) meist in Ruhe gelassen bis man sich was ausgesucht hat. Es ist auch kein Problem, ein Stand ohne Kauf wieder zu verlassen. 

In kleineren Orten und bei Sehenswürdigkeiten kann es jedoch schon vorkommen, dass Touristen direkt angesprochen und in Läden "hineingezogen" werden. Hier ist eine angemessene Vorsicht angebracht. Falls Sie nichts kaufen wollen, gehen Sie lieber gar nicht in den Laden herein. Sagen Sie dem Verkäufer klar, dass Sie wegen der Sehenswürdigkeit hier sind und nicht um Souvenirs zu kaufen. Es kann sonst sein, dass Sie nach einem Tee und Gesprächen trotzdem mit einem Kauf rauskommen (oft zu überteuerten Preisen), obwohl Sie gar nicht vor hatten was zu kaufen. Dies kann zu Frust und Unwohlsein führen. Auch wenn ein Verkäufer Sie anspricht und Ihnen nur einen Tee offerieren will, dürfen Sie nicht vergessen dass er schlussendliche ja doch einfach etwas verkaufen will.

Was ist ein angemessener Preis? Generell gilt auch hier, dass der angemessene Preis in etwa bei der Hälfte des erstgenannten Preises liegt. Das heisst, als Tourist braucht es schon viel Überwindung, so tief mit dem feilschen zu beginnen, dass man dann schlussendlich in der Mitte "landet". Hier gilt auch: zahlen Sie nur, was der Artikel Ihnen wert ist, so dass Sie danach mit einem guten Gefühl rausgehen. Falls Sie dem Obstverkäufer die paar Cents für die frischen Erdbeeren gönnen, zahlen Sie einfach ohne noch  zu feilschen. Falls Ihnen ein Artikel zu teuer erscheint, schauen Sie weiter.

Mein Tipp: Falls Sie unsicher sind, was die Artikel in etwa kosten und sich beim feilschen nicht wohlfühlen gibt es eine gute Lösung: 

Sprechen Sie mit Ihrem Reiseleiter, welche Artikel Sie suchen und besuchen Sie zusammen einen Souk. Der Reiseleiter kann einschätzen, ob ein Preis angemessen ist oder ob es sich lohnt weiter zu schauen. Er kann für Sie das feilschen übernehmen, und sie geben schlussendlich nur noch das OK, ob Sie kaufen wollen oder nicht.